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      Tipps für Frühcheneltern

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      Ab wann ist ein Baby ein Frühchen?

      Immer mehr Babys können einfach nicht warten bis zum errechneten Geburtstermin. Hier finden Sie Informationen und Wissenswertes, wenn Sie gerade Eltern eines Frühchens geworden sind oder wenn Ihr Baby wahrscheinlich zu früh zur Welt kommen wird.

      Von Frühgeborenen spricht man, wenn Babys vor Vollendung der 37 ssw also der 37. Schwangerschaftswoche geboren werden. Weltweit sind heutzutage über 10 % aller Geburten Frühgeburten – mit steigender Tendenz – und in der Schweiz gibt es jährlich etwa 8.000 Frühgeborene.

      Gute Aussichten und Prognosen für frühgeborene Babys

      Dank vieler Fortschritte in der Neonatologie, der Frühgeborenen-Medizin, haben die allermeisten Frühchen heute sehr gute Chancen. Selbst eine Geburt in der 23. Schwangerschaftswoche ist nicht mehr zwangsläufig lebensbedrohlich. Natürlich braucht jedes Frühchen eine Phase des Aufholwachstums, die bei jedem unterschiedlich lang dauern kann und davon abhängig ist, wie viel früher das Baby zur Welt kam. Frühgeborene hatten im Mutterleib zu wenig Zeit für wichtige Entwicklungsschritte und haben daher in den ersten Lebenswochen mit Anpassungsschwierigkeiten zu kämpfen. Selbst zu atmen und zu verdauen sind grosse Herausforderungen für die noch unreifen kleinen Menschen. Auch ihre Körpertemperatur können sie noch nicht selbst regulieren.

      Um die Frühchen zu unterstützen, gehen in den spezialisierten Spitälern dabei intensivmedizinische Betreuung und sanfte Medizin wie die Methode des Känguruhens Hand in Hand. Mit den entsprechenden Massnahmen entwickelt sich der grösste Teil aller Frühgeborenen gesund, nur eben ausserhalb des Mutterleibs – und das ist ohne Frage ein viel schwierigerer Start.

      Frühgeborene: Ein Auf und Ab der Gefühle

      Die Gefühle, die eine Frühchenmutter oder einen Frühchenvater überwältigen, gerade, wenn sie ihr zerbrechliches, kleines Baby zum ersten Mal in einem Brutkasten sehen, sind oft stärker als die rationalen Argumente. Ausserdem ist jede Situation individuell ganz verschieden. In mancher Schwangerschaft hat sich die zu frühe Geburt über Tage oder gar Wochen angekündigt, so dass sich die werdenden Eltern zumindest ein wenig mit dem Gedanken, bald ein Frühchen zu bekommen, vertraut machen konnten. Oft ist eine Frühgeburt aber auch ein plötzliches Ereignis und die Eltern fühlen sich anfangs mehr als hilflos. In jedem Fall ist die Belastung für die Eltern extrem. Glücksgefühle und Ängste werden sich in den ersten Lebenswochen des kleinen Frühstarters immer wieder abwechseln.

      Unser Aptaclub-Tipp

      Wichtig ist, nicht zu zweifeln oder zu verzweifeln – die Ärzte und das Stationsteam in den Spitälern sind sehr kompetent und erleben diese Situation ja Tag für Tag. Sie werden Ihnen und Ihrem Frühchen helfen, darauf dürfen Sie vertrauen. Seien Sie zuversichtlich in dieser herausfordernden Zeit!

      Frühcheneltern: Gesunder Egoismus hilft jetzt!

      Jedes Kind braucht Eltern, denen es gut geht. Ein Frühchen umso mehr. Deshalb heisst jetzt das oberste Ziel: Kräfte einteilen und immer mal wieder Pausen machen zum Durchatmen. Setzen Sie Prioritäten und überfordern Sie sich nicht – die Dinge des Alltags können warten.

      Eine überraschend frühe Geburt. Oft sogar ein Kaiserschnitt. Dann die schnelle Trennung von einem Wesen, das Sie sich nicht ganz so winzig vorgestellt haben, dem aber vom ersten Augenblick an Ihre Liebe gehört. Etwas später sehen Sie Ihr Baby dann wieder – in einer High-Tech-Umgebung, die sich von der Geborgenheit im Mutterleib nicht stärker unterscheiden könnte. Es liegt in einem Inkubator, wie der Brutkasten im Spital heisst – umgeben von Überwachungsmonitoren. Technische Geräusche sind leider ebensowenig vermeidbar wie Elektroden, die Babys Atmung und Herzschlag messen und eine Sonde, die es über sein Näschen oder den Mund ernährt. Vielleicht muss zumindest anfangs zusätzlich eine Infusion gelegt werden. So befremdlich all das auch wirken mag, es ist momentan das richtige und wichtige Umfeld für Ihr Frühgeborenes und viele Spitäler versuchen heute, die Umgebung so sanft wie möglich zu gestalten.

      Es ist nur menschlich, dass Sie sich um Ihr Baby sorgen und sich als junge Mutter oder Vater hilflos und überfordert fühlen. Deshalb sollten Sie unbedingt alle Hilfen annehmen, die Sie brauchen und die Ihnen jetzt angeboten werden. Dann können Sie beide die psychischen Belastungen besser verkraften – und sich als Mutter zumindest ein wenig von den physischen Anstrengungen nach der Geburt erholen.

      10 Tipps für Frühcheneltern

      Jeder in Ihrer Umgebung wird Verständnis haben für die anstrengenden Tage, die Sie zur Zeit im Spital auf der Intensiv- bzw. Frühchenstation verbringen. Auslagern heisst deshalb das Zauberwort. Viele Menschen werden Sie gerne unterstützen und Ihnen Aufgaben des täglichen Lebens abnehmen. Das einzige, was Sie tun müssen, ist zu entscheiden, was Ihnen nun guttut – und auch nein zu sagen, wenn ein lieb gemeintes Angebot vielleicht nur eine zusätzliche Belastung darstellt.

      1. Geschwister-Fahrdienst

      Wer schon ältere Kinder hat, ist in einer besonderen Situation, denn diese könnten sich leicht vernachlässigt fühlen. Nicht alle Frühgeborenen-Stationen erlauben den Besuch von Geschwisterkindern. Aktivieren Sie doch Freunde, Bekannte oder auch die Grosseltern zur Begleitung in den Kindergarten und für Fahrten zu den Nachmittagsaktivitäten. Am Abend kuscheln Sie dann ausgiebig mit Ihren „Grossen".

      2. Familientaxi

      Die Betreuung eines Frühchens in der Klinik dauert Wochen, manchmal Monate. Wenn Sie noch nicht selbst Auto fahren möchten, können Familienangehörige Sie bestimmt ins Spital bringen und wieder abholen, sobald der Vater wieder arbeiten muss. Auch anfangs, wenn Sie beide viel in der Klinik sind, kann so ein Familientaxi, das benötigte Sachen oder auch gesunde Snacks zu Ihnen bringt, eine gute Idee sein.

      3. Essen gehen statt selbst kochen

      Auch wenn es vielleicht Ihr sehnlichster Wunsch ist – als Frühcheneltern können Sie nicht rund um die Uhr bei Ihrem Baby sein. Ob tagsüber, wenn Ihr Kleines schläft oder am Abend, wenn Sie nach Hause fahren: Nutzen Sie einfach diese Pausen, um zusammen essen zu gehen. Das spart wirklich viel Zeit und Sie können sich ganz in Ruhe miteinander über die Erlebnisse an diesem Tag austauschen.

      4. Einkaufsservice durch Nachbarn

      Sie werden wahrscheinlich nicht sehr oft zu Hause sein in dieser turbulenten Lebensphase. Die Basisausstattung für ein schnelles Frühstück oder einen Snack zwischendurch sollte vielleicht dennoch im Haus sein. Bitten Sie doch Freunde oder Nachbarn, Ihnen ein paar Kleinigkeiten vom Einkaufen mitzubringen. Die Liste schicken Sie einfach aufs Smartphone.

      5. Haushaltshilfe

      Zeit zum Aufräumen, Waschen und Putzen wird jetzt nicht übrig sein – und wenn doch, sollten Sie sich lieber ausruhen und sich an schönen Momenten erfreuen, statt sich mit dem Gedanken an die Perfektionierung des Haushaltes zu tragen. Vielleicht gelingt es Ihnen, für eine Weile Ihre Ansprüche an Ihr häusliches Umfeld zu minimieren oder Sie überlassen diesen Teil des Alltags einer Haushaltshilfe.

      Unser Aptaclub-Tipp

      Nutzen Sie die so gewonnene Zeit! So können Sie, so oft die Stationsleitung es erlaubt, bei Ihrem Baby sein und wenn es schläft, etwas Erholsames oder Sinnvolles für sich selbst tun.

      6. Berichterstatterin

      Wahrscheinlich werden viele Freunde und Bekannte regelmässig anrufen und sich nach Ihnen und Babys Wohlbefinden erkundigen. Wenn Ihnen das zu viel wird, schalten Sie Ihr Telefon ab. Beauftragen Sie doch eine enge Vertraute als Ansprechpartnerin, die über die aktuellen Fortschritte Ihres Frühchens berichtet. Alternativ können Sie oder Ihre Berichterstatterin auch eine WhatsApp-Gruppe gründen und dort regelmässig ohne grossen Aufwand das Neueste von der Frühchenstation mitteilen.

      7. Kangarooing

      ... oder känguruhen. So heisst die inzwischen weltweit bekannte Methode, Frühchen jeden Tag 1 bis 2 Stunden zum Kuscheln auf die Brust ihrer Mutter oder ihres Vaters zu legen. Der enge Hautkontakt fördert nicht nur das Bonding, er ist für die Eltern und das Frühgeborene beruhigend und nachweislich positiv für die Entwicklung des Babys. Diese Praxis hat sich erst Anfang der 90er Jahre etabliert, wird aber inzwischen in fast allen Neonatologien angewendet, selbst bei den Allerkleinsten. Jüngste Untersuchungsergebnisse zeigen, dass sogar Babys, die zwischen der 25. und 27. SSW zur Welt kommen, schon 2 Wochen nach ihrer Geburt känguruhen können. Und das ist wahrscheinlich das Schönste, was Sie mit Ihrer gewonnenen Zeit für sich und Ihr Baby tun können.

      8. Genug Zeit

      Auch ungestört neben dem Inkubator zu sitzen und Ihr Frühchen, wenn es wach ist, die schon aus dem Mutterleib vertrauten Stimmen hören zu lassen, nimmt Ihnen einen Teil Ihrer Sorgen und gibt Ihnen das gute Gefühl, etwas für das Wohlbefinden Ihres Kleinen tun zu können. Geniessen Sie diese Momente und schöpfen Sie daraus Kraft.

      9. Nachsorgehebamme

      Die Nachsorgetermine mit Ihrer Hebamme sollten Sie trotz der besonderen Umstände in Ihrem eigenen Interesse wahrnehmen. Es gibt genug Frühchenmütter, die darauf verzichtet haben und es später bereuen, denn die Hebamme kontrolliert zum einen, ob sich die Gebärmutter richtig und zeitgerecht zurückbildet. Zum anderen kann sie aus ihrer Erfahrung beurteilen, ob die Heilung einer Damm- oder Kaiserschnittnaht gut verläuft. Die Hebamme zeigt Ihnen auch Übungen zur Rückbildung und berät Sie, wenn Sie Muttermilch abpumpen oder Ihr Frühchen teilweise sogar schon stillen können. Dazu finden Sie in der Rubrik Ernährung einen separaten Artikel. Nicht zuletzt hilft Ihnen Ihre Nachsorgehebamme auch verständnisvoll über die seelischen Tiefs, die in dieser besonderen Lebensphase auftreten können, hinweg.

      10. Dialog und emotionale Unterstützung

      Bestimmt werden Ihnen jetzt Familienmitglieder und Freunde Zeit zum Zuhören anbieten und Sie gerne ein wenig auffangen oder ablenken. In den grossen Spitälern mit Neonatologien gibt es zusätzlich unterschiedlichste Angebote für Frühcheneltern. Dazu gehören beispielsweise Elternselbsthilfegruppen, Elterngesprächskreise oder Einzeltermine mit einem Psychologen oder einer Psychologin. Auch Fachkräfte aus den Bereichen Kinderkrankenpflege und Ernährungsberatung stehen häufig unterstützend zur Verfügung. Durch den Dialog mit Experten werden Sie als Frühcheneltern schnell lernen, sich mehr zuzutrauen und sich ohne – oder nur mit ganz kleinen – Bedenken auf die Zeit nach der Entlassung aus der Klinik zu freuen.

      Wir sind für dich da!

      Hast du Fragen? Jasmin und das Aptaclub Elternservice Team sind gerne für dich da.

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